Die Allgäuer Ordensburg in Sonthofen


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Einleitung
Sonthofen hat, wenn man es emotionslos betrachtet, seine heutige Größe und Bedeutung zum größten Teil der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland zu verdanken.

Zählte der Ort 1933 noch 4800 Einwohner, so stieg diese Zahl bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges trotz zu beklagender Verluste auf 7800 Einwohner. Der nationalsozialistische Bürgermeister, Herkommer, bemühte sich erfolgreich um die Ansiedlung von zwei Kasernen. Darüberhinaus ist es einem glücklichen Umstand zu verdanken, daß der damalige Bezirksbaumeister in Sonthofen, Hermann Giesler, zugleich Schulleiter der Gauschule der Naitonalsozialistischen Deutschen Arbeiter Partei (NSDAP) in Blaichach war. Durch diese Ämterverquickung und sein Können als Architekt wurde Sonthofen als Standort für eine Schulungsburg der NSDAP ausgewählt. Der Bau der "Burg" und der zwei Kasernen brachte nicht nur Sonthofen, sondern der gesamten Region wirtschaftlichen Aufschwung. Die Arbeitslosigkeit war sehr hoch.

Allein 16 Schindelmacher waren mehrere Jahre damit beschäftigt, die Schindeln für die Dächer der Anlage herzustellen. Durch die später als Nationalsozialistische Ordensburg bezeichnete Anlage bekam Sonthofen große Bedeutung und hochrangige Besuche aus dem In- und Ausland.
Die heute unter Denkmalschutz stehende Anlage, gerade einmal gut 60 Jahre alt, hat eine sehr wechselvolle Geschichte aufzuweisen. Diente sie anfangs der Verherrlichung eines Unrechtsregimes, so wurde sie danach durch die Sieger als Unterkunft und für Schulungszwecke benötigt. Weiter gab es einige Jahre, in denen die Gebäude leer standen und quasi als Hypothek auf Sonthofen lasteten, bevor durch die Empfehlung der US-Armee und das Bemühen von Bürgermeister Waltenberger die neuen deutschen Streitkräfte die Gebäude bezogen.
Man kann mit Fug und Recht behaupten, daß in Sonthofen die Wiege der Bundeswehr stand. Auch heute ist die Bundeswehr ein bedeutender Wirtschaftsfaktor in der Region. Es besteht ein gutes Verhältnis zwischen den Bürgern und den Soldaten. Viele Besucher Sonthofens sind einmal als Soldat in Sonthofen gewesen und haben Land und Leute in guter Erinnerung behalten.
Um die Burg ranken sich viele Geschichten und düstere Behauptungen. So ist von unterirdischen Gebäuden und kilometerlangen Geheimgängen die Rede, von geheimer Ausbildung besonderer Kommandounternehmen bis hin zum Lebensborn. Diese Büchlein soll etwas Licht ins Dunkel bringen.

Diese Veröffentlichung soll weder eine Beurteilung noch Verurteilung des Geschehnisse und Vorhaben sein, sondern lediglich eine Darstellung.

Ein Urteil, geschätze(r) Leser(in), bilden Sie sich bitte selbst.

Die Baugeschichte - Vorgeschichte
Wenn man nach den Ursachen für den Bau der heutigen Generaloberst Beck-Kaserne forscht, so muß man bis ins Jahr 1933 zurückgehen. Der 1. Mai wurde von den Nationalsozialisten zum "Tag der Arbeit"erklärt, wie das die Gewerkschaften schon lange gefordert hatten, und mit einem großen Fest in Berlin offiziell gefeiert. Doch am 2. Mai wurden die Gewerkschaften durch die Nationalsozialisten aufgelöst und deren Vermögen beschlagnahmt. Die Organisationen wurden in die Deutsche Arbeitsfront (DAF) überführt, ebenso die Arbeitgeberverbände und die Organisationen der Angestellten und Beamten.

Im Dezember 1933, so berichtet die Oberallgäuer Nationalzeitung, habe Dr. Robert Ley Ideen zur Schulung von Funktionären der DAF geäußert, denn man wollte den deutschen Arbeiter in den Dienst der Bewegung stellen.. Ley wollte mobile Barackenlager für diese Aufgabe errichten und später in diesen Baracken gleichzeitig für die "weltanschauliche Schulung der NSDAP" sorgen. Er beabsichtigte, die Funktionäre in etwa vierzehntägigen Lehrgängen zu schulen. Die Schulungslager sollten an den "ausdrucksvollsten Punkten der deutschen Landschaft" liegen, vorzugsweise jedoch in Grenznähe, um damit auch diese Gebiete mit dem "nationalsozialistischen Gedankengut zu durchbluten." Ley trug seine Gedanken anläßlich einer Tagung von Gauschulungsleitern in Königswinter vor. Bei dieser Tagung war auch Hermann Giesler als Gauschulungsleiter von Schwaben anwesend. Giesler, damals Bezirksbaumeister in Sonthofen, behauptet, Ley mit dem Argument widersprochen zu haben, die "Barackenlager" seien nur ein Provisorium und nur auf begrenzte Zeit erträglich, benötigten aber eine Erschließung sowie Ver- und Entsorgungseinrichtungen wie feste Bauwerke. Weiter führte er aus, Baracken seien nicht geeignet, um darin Eliten auszubilden, und entsprächen nicht der notwendigen baulichen Selbstdarstellung des Nationalsozialismus.Giesler plante seinen eigenen Angaben zufolge ohne Auftrag eine Schulungsstätte und ließ ein Holzmodell davon anfertigen. Anläßlich der nächsten Tagung der Schulungsleiter in Bernau bei Berlin stellte er Dr. Ley sein Modell vor. Nach Erläuterung des Modells habe es laut Giesler keine Diskussion mehr über Lager gegeben, sondern er habe sofort den Auftrag von Dr. Ley erhalten, die Planung für dieses vorgestellte Modell fortzuführen.

Die Oberallgäuer Nationalzeitung berichtet am 9.4.34 von einer Parteiveranstaltung in Immenstadt, bei der auch Hermann Giesler sprach. Dort habe Giesler bekanntgegeben, daß das Oberallgäu ein "Reichsschulungslager" erhalte. Daneben sollten zwei weitere Lager in Crössinsee bei Falkenburg in Pommern und in Vogelsang bei Gemünden in der Eifel entstehen. Für letztere Anlagen hatte Prof. Clemens Klotz aus Köln den Planungsauftrag erhalten.

Am 24.7.34 besuchte Dr. Ley Sonthofen und besichtigte den von Giesler vorgeschlagenen Bauplatz. Der Platz erstreckt sich auf einer Moräne südöstlich von Sonthofen. Giesler hatte zur Darstellung des Gebäudes die organisierte Oberallgäuer Jugend (Jungvolk, Hitlerjugend und Bund Deutscher Mädchen) verpflichtet. Die Jugendlichen stellten die Fluchten der Gebäude anschaulich in der Landschaft dar. Hinzu kam eine Schilderung der vorgesehenen Nutzung durch Giesler. Ley gefiel der Bauplatz, und er gab den Auftrag zum Bau.

Eine Beschreibung der Schulungsburg mit der vorgesehenen Nutzung für etwa 400 Personen erschien schon jetzt in der Zeitung:

"Die Hauptfassade der Burg wird 120 Meter lang, dazu kommt auf der Westseite noch ein Flügelbau, der in einem über das Illertal ragenden Flaggenarm seinen Abschluß findet. Vom Turm an der Westseite bis zur östlichen Ecke des Hauptgebäudes mißt der ganze Gebäudezug etwa 160 Meter. Die Länge der Seitenflügel beträgt etwa 85 Meter. Das Hauptgebäude betritt man von Norden her durch ein mit Findlingsblöcken flankiertes Tor, das in die Ehrenhalle führt.

Neben der Ehrenhalle enthält das Hauptgebäude in seinem Erdgeschoß die Räume für die Wache, ....
Die Baugeschichte – Zweiter Bauabschnitt
Durch die Anordnung Leys, die Ordensburg auf die Kapazität von 1000 Personen zu erweitern, mußten die ursprünglichen Pläne geändert und ergänzt werden. Der erste in sich geschlossene Bauteil erfuhr nun eine Erweiterung nach Norden. Dazu wurde auch ein am Ostflügel nach Norden gehendes Gebäude wieder abgerissen. Die Nutzung der einzelnen Gebäude war nun wie folgt vorgesehen:

"Der zuerst errichtete Bauteil dient nunmehr vorzugsweise der Gemeinschaft. Er nimmt die Gemeinschaftsräume auf, die Bibliothek für unterhaltende Literatur, den wundervollen Saal für die Kammermusik, sowie Räume für Gäste, die Burgschenke usw. Die ursprünglich für die Aufnahme der Kommandantur gedachten Räume wurden beibehalten, jedoch mit der Abänderung, daß sie als besondere Arbeits- und Besprechungsräume für den Reichsorganisationsleiter bei seinem Aufenthalt in der Burg dienen sollten. Sie gewinnen zusammen mit dem nach Westen gegen das Tal hinausgebauten Gästeflügel besondere Bedeutung. Die neue Kommandantur wurde im Zusammenhang mit dem zweiten Bauteil unmittelbar neben der Einfahrt zur Burg, die Wohnung des Kommandanten selbst am Berghang, geschaffen". Die Kommandantur (Haus 1) sollte eine Empfangshalle, ein Wartezimmer, einen Sitzungssaal, Räume für das Personalamt und die Ortsgruppenleitung aufnehmen. Im Norden sollten sich das Telefonamt anschließen, im Untergeschoß die Hallen der Feuerwehr, Kraftwagen und Werkstätten. Der Ostteil des hufeisenförmigen Baus war für die Unterbringung der Wache vorgesehen, und im Keller lagen die Kohlenbunker für die im Turm befindliche Heizung. Für die geplante Unterbringung von drei sogenannten Bereitschaften der Ordensjunker (1000 Personen) wurde ein Winkelbau erstellt (Haus 4), dazwischen der Appellplatz. Die gewaltige horizontale Wirkung des neuen Unterkunftshauses bedurfte laut Giesler einer vertikalen Betonung, die in der Neuaufnahme einer alten Bauform gesucht wurde, dem Palas. (Dieser Begriff bezeichnet einen Bauteil, in dem der Hauptsaal einer Burg liegt.) Der 42 Meter hoch ragende Palas sollte als ....
Besonderheiten
Wenn man zum ersten Mal die heutige Anlage betritt, ist man sicher tief beeindruckt, ja nahezu erdrückt von den gewaltigen Gebäuden und der Ausdehnung der Kaserne. Die Anlage hat zweifelsohne ihren besonderen Reiz. Doch bei genauerem Hinsehen kann man feststellen, daß durch die ständigen Änderungen und Erweiterungen keine absolute Geschlossenheit erreicht werden konnte. So ist eigentlich jedes Gebäude etwas anders gebaut, und so mancher Stilbruch ist erkennbar, so z.Bsp. in der unterschiedlichen Gestaltung der Fensterreihen des Turmes ist erkennbar. Der nach Norden im italienischen Stil errichtete Balkon des Hauses 6 und das dahinter plazierte Fachwerk geben Rätsel auf. Die größte Mühe haben sich Architekt und Handwerker aber zweifelsohne im ersten Bauabschnitt gemacht. Zu erwähnen sind nicht nur der ursprünglich in gold und weiß gehaltene Musiksaal und der darunter liegende Fuchsbau mit seinen herrlichen Gewölben, sondern vor allem die Schnitzereien und Holzarbeiten. Zum einen sind die von Franz Weiß aus Kempten stammenden und auch heute noch zu bewundernden Darstellungen der Landsknechte in den Räumen des Casinos zu erwähnen, zum anderen sind auf einigen Stirnbalken am Gebäude 5 noch Schnitzereien erhalten. Viele Schnitzereien wurden entfernt, da sie verbotene nationalsozialistischen Zeichen darstellten. Ebenfalls entfernt wurden Verzierungen der Stützbalken im Wandelgang des ersten Bauabschnittes sowie die Runen an der Eingangstür zur Ehrenhalle. Reste der Schindelbedachung befinden sich noch über den Stirnbalken auf der Nordseite des Hauses 5. ....
Nationalsozialistische Ordensburg
Ausbildungsgang der Junker

Am 19.10.1935, anläßlich des ersten Richtfestes in Sonthofen, verwendet Ley anstelle der Bezeichnung "Reichsschulungsburg", den Begriff "Ordensburg" als Bildungsstätte für den politischen Führernachwuchs der NSDAP. Von der Ausbildung der Amtwalter der DAF ist nun keine Rede mehr. Ley gibt es als seine Aufgabe aus, für die Ausrichtung und den Nachwuchs der politischen Leiter der NSDAP Sorge zu tragen. Er legt dazu eine Reihe von Aufsätzen in der parteiinternen Broschüre "Der Weg zur Ordensburg" vor. Hierin wird ausführlich dargelegt, wie man nach Bewährung in der Partei im Alter zwischen 25 und 30 Jahren in zunächst drei, später in viereinhalb Jahren zum Parteiführer ausgebildet werden sollte. Ein kurzer Auszug: "Wir wollen wissen, ob diese Männer den Willen zum Führen in sich tragen, zum Herrsein, mit einem Wort: zum Herrschen. Die NSDAP und ihre Führer müssen herrschen wollen. Wer die Totalitätsansprüche auf die Führung des Volkes erhebt oder gar gewillt ist, sie mit einem anderen zu teilen, kann nie Führer der NSDAP sein. Wir wollen herrschen, wir haben Freude am Herrschen, nicht, um ein Despot zu sein oder einer sadistischen Tyrannei zu huldigen, sondern weil wir felsenfest daran glauben, daß in allen Dingen nur einer führen und auch nur Einer die Verantwortung tragen kann. Diesem einen gehört die Macht. So werden diese Männer (Junker) z. Bsp. Reiten lernen, nicht, um einem gesellschaftlichen Vorurteil zu huldigen, sondern sie sollen reiten lernen, um das Gefühl zu haben, ein lebendes Wesen absolut zu beherrschen. Er muß das Pferd beherrschen können, nicht mit den Sporen, sondern mit seinem Willen."

Die Ausbildung der sogenannten "Junker", wie die Anwärter genannt wurden, sollte wie folgt ablaufen:

  1. Ausbildungsjahr in Vogelsang
    hier: Rassische Philosophie der neuen Ordnung
  2. Ausbildungsjahr in Crössinsee
    hier: Charakterliche Bildung
  3. Ausbildungsjahr in Sonthofen
    hier: Verwaltungs- und Militäraufgaben und Diplomatie. ....



Die Adolf-Hitler-Schulen auf der Ordensburg Sonthofen

Nicht die Ausbildung von Junkern bestimmte das Leben auf der Ordensburg, sondern die von Schülern der Adolf-Hitler-Schulen. Deswegen soll hierauf etwas näher eingegangen werden.

Gründung der Adolf-Hitler-Schulen

Die Pläne des Reichsorganisationsleiters Dr.Robert Ley, den politischen Führernachwuchs zu sichern, waren nicht in allen Bereichen von Erfolg gekrönt.

Unter Mithilfe des Reichsjugendführers Baldur von Schirach und gegen den Widerstand des Reichserziehungsministers gelang es ihm, am 15.1.1937 bei Hitler die Genehmigung für eine neue Art von Internatsschulen zu erreichen.

Dazu legte er eine "Denkschrift" vor:

  1. Die Adolf-Hitler-Schulen(AHS) sind Einheiten der Hitlerjugend (HJ) und werden von dieser verantwortlich geführt. Lehrstoff, Lehrplan und Lehrkörper werden von den unterzeichnenden Reichsleitern reichseinheitlich bestimmt.
  2. Die AHS umfaßt 6 Klassen. Die Aufnahme erfolgt im allgemeinen mit dem vollendeten 12. Lebensjahr.
  3. Aufnahme in die AHS finden solche Jungen, die sich im Deutschen Jungvolk hervorragend bewährt haben und von den zuständigen Hoheitsträgern in Vorschlag gebracht werden.
  4. Die Schulausbildung ist unentgeltlich.
  5. Die Schulaufsicht gehört zu den Hoheitsrechten des Gauleiters der NSDAP. Er übt sie entweder selbst aus, oder er übergibt die Ausübung dem Gauschulungsamt.
  6. Nach erfolgreicher Reifeprüfung steht dem Adolf-Hitler-Schüler jede Laufbahn der Partei und des Staates offen.

Wie wurde man Adolf-Hitler-Schüler?

Laut einer Werbebroschüre aus dem Jahr 1941 über die AHS konnte man diese Einrichtung nicht einfach besuchen, sondern man wurde "gerufen". Die Hoheitsträger der Partei und die HJ-Führer suchten demnach die Schüler aus. Dazu wurde ein Ausleseverfahren ins Leben gerufen, in welchem in mehreren Schritten die Schüler ausgewählt wurden. Voraussetzung für eine Aufnahme in die AHS waren: ....



Organisation des Schulbetriebes

Am 19.4.1937 wurden die ersten zehn Adolf-Hitler-Schulen feierlich in der N.S. Ordensburg Crössinsee eröffnet. Es waren:

Schule 1 Ostpreußen (später Tilsit)

Schule 2 Kurmark (später Mark Brandenburg bzw. Frankfurt/O)

Schule 3 Köln-Aachen (später Waldbröl)

Schule 4 Koblenz-Trier (später Moselland bzw. Koblenz)

Schule 5 Sachsen (später Plauen)

Schule 6 Thüringen (später Weimar)

Schule 7 Franken (später Hesselberg)

Schule 8 Hochland (später München-Oberbayern bzw. Chiemsee)

Schule 9 Mecklenburg (später Heiligendamm)

Schule 10 Saarpfalz (später Westmark bzw. Landstuhl)

Ab 1938, nach einer großen Grundsteinlegeaktion in den einzelnen Gauen, wurden die Schulen nach dem jeweiligen vorgesehenen Standort benannt. Fernziel war es, in jedem Gau eine AHS zu errichten.

Hinzu kamen ab 1941 bzw. 1943:

Schule 11 Schlesien (später Böhmen-Mähren bzw. Ostmark)

Schule 12 Iglau (später Niederschlesien bzw. Braunau)

Sämtliche zehn AHS waren bis zu den großen Ferien 1937 in Crössinsee und siedelten am 14.9.37, vom Reichsparteitag in Nürnberg kommend, komplett nach Sonthofen über. Der Aufbau und die Organisation der Schulen mußte erst wachsen, denn man begann mit dem ersten Jahrgang, mit insgesamt 300 Schülern des Geburtsjahrganges 1924/25, in der untersten Klasse. Jeder Gau hatte ab 1938, obwohl nicht unbedingt eine Schule nach ihm benannt wurde, ein gewisses Kontingent an Schülern, wodurch sich die Gesamtzahl der jährlich aufgenommenen Schüler auf 370 erhöhte.

1941 befanden sich etwa 1300 Schüler (andere Quellen sagen sogar 1700) in Sonthofen, was zu einer drangvollen Enge führte. Aus diesem Grund verlagerte man bis auf drei alle anderen Schulen. ....
Kriegsende und Besatzungszeit
Kriegsende in Sonthofen und auf der Burg

In der Ortschaft Sonthofen herrschte vor dem Einmarsch der alliierten Truppen ein großes Durcheinander. Sonthofen wurde zuvor zweimal Opfer von Bombenangriffen, die Ordensburg und die zwei Kasernen blieben jedoch verschont.
Die Ordensburg wurde aufgelassen. Zuerst durften sich die Beschäftigten mit brauchbaren Gütern des täglichen Lebens versorgen, dann wurde die Burg von der Bevölkerung geräumt. Man darf hierbei nicht vergessen, daß Krieg war und viele Güter knapp waren. Auf der Burg lebte man doch in besseren Verhältnissen.

Eine Eindruck vermittelt ein Auszug aus der Chronik der Stadt Sonthofen, den der Bürgermeister selbst verfasste: "In der letzten Aprilwoche steigerte sich der Betrieb und Verkehr noch gewaltig, wenn man überhaupt noch von einer Steigerungsmöglichkeit reden kann. Es war einfach nur mehr ein Geschiebe von Menschenmassen und Material, das sich durch uns, über uns bewegte. Heeresstäbe ließen sich nieder und wollten Verteidigungslinien aufstellen. Der Feind schon in Kempten, Lindau usw., Ortsverteidigungen wollte man organisieren, alles von fremden Truppen und Organisationen. Ich war mir schon längst bewußt, auch mit dem Kreisleiter Dr. Kalhammer einig, daß eine Verteidigung von Sonthofen nie in Frage kommt, und so hatte ich oft scharfe Auseinandersetzungen mit verschiedenen Verbänden und Organisationen. Freitag, den 27. April, auf der Ordensburg wurde schon geplündert, in den Kasernen ebenfalls. Niemand ....


Nutzung durch die neuen deutschen Streitkräfte

Übernahme durch das Amt Blank

Die ersten konkreten Überlegungen zur Nutzung der "Burg" durch künftige deutsche Streitkräfte erfolgten unmittelbar nach der Räumung durch die US-Army.

Von Seiten der Alliierten bestand die Bereitschaft, eine gewisse Anzahl von beschlagnahmten Kasernen, darunter die "Burg Sonthofen", zum Zwecke eines deutschen militärischen Beitrags zur geplanten Europäischen Verteidigungsgemeinschaft (EVG) in die Treuhandschaft der Dienststelle Blank (Vorläufer des Bundesministerium der Verteidigung) zu übergeben.

Am 2. Juni 1953 wurde eine erste Erkundung durchgeführt. Aus dem Ergebnisprotokoll geht hervor, daß zwar das gesamte Mobilar ausgeräumt worden war, sich die Gebäude jedoch noch in einem insgesamt guten baulichen Zustand befanden. Zusammenfassend wurde festgestellt:

"Die Burg Sonthofen eignet sich vortrefflich für die Unterbringung der ersten Lehrgänge. Neben der großzügigen Möglichkeit für Unterbringung und Betreuung werden sich die landschaftliche Lage und das Gebirgsklima vorteilhaft auf die Gesamtatmosphäre auswirken. Die Inbetriebnahme für Lehrgangszwecke dürfte sich aber nur lohnen, wenn die Burg anschließend ständig und voll für andere Zwecke ausgenutzt wird, also für ca. 2000 Personen. An Lehrgängen kämen in Betracht:

  • Generalstabs-Lehrgänge
  • Lehrgänge für Innere Führung
  • Europäische Lehrgänge
  • Lazarett und Kur-Lazarett
  • Sportschule
  • Sprachenschulen u.a.m.

Die meisten dieser Lehrgänge könnten gleichzeitig laufen, die Burg könnte ein Bildungszentrum für die deutschen, evtl. europäischen Streitkräfte werden." ....

Ende der Leseproben