News of the Allgäuer Ordensburg Sonthofen
Letzter Appell Feldjäger und Stabsdienstler verabschieden sich von Kaserne auf Sonthofener Burg
27.06.2009
Wehmut und ein Abschied auf Raten
Mit einem großen Appell und abendlicher Serenade verabschiedete sich die Schule für Feldjäger und Stabsdienst der Bundeswehr nach 53 Jahren von der Generaloberst-Beck-Kaserne und dem Oberallgäu. Die Schule, die in Sonthofen über 350000 Lehrgangsteilnehmer schulte, zieht nach Hannover. Die „Burg“ wird nun für andere Einheiten am Standort umgebaut.
Gestern das letzte Antreten auf dem großen Appellplatz, vorgestern die letzte Übung in Bodelsberg. Hauptmann Hartmut Happel beschleicht schon Wehmut, wenn er nun der GOB-Kaserne den Rücken kehren muss. Nach über zwei Jahrzehnten auf der Sonthofer „Burg“ rückt der Chef einer Ausbildungsinspektion der Schule für Feldjäger und Stabsdienst in die Emmich-Cambrai-Kaserne (Hannover) ab. Die ist ihm bereits ein Begriff: Happel war dort ein halbes Jahr stationiert, ehe er im Oktober 1986 nach Sonthofen wechselte. Das Oberallgäu lernte der Nordhesse in jungen Jahren bei einer Hüttenfreizeit kennen; 1977 folgte sein erster Bundeswehr-Lehrgang in Sonthofen. Imposant fand er die frühere Ordensburg schon beim ersten Mal, selbst wenn er damals Sonthofen auch gern im Rückspiegel sah. „Nach einem langen Lehrgang ist man froh, wenn man ihn bestanden hat und wieder heim darf“, erinnert sich Happel. Doch längst ist für ihn und die Familie das Oberallgäu Heimat. Darum bleiben die Angehörigen auch in Immenstadt; der 51-Jährige pendelt nach Hannover.
Dennoch war für Happel ein Abschied auf Raten angesagt, von dem er zuletzt sogar träumte. Seine Ämter (Geschäftsführer eines CSU-Ortsverbandes, Vorstandsmitglied bei Feuerwehr und Evangelischer Kirche) hat er schon abgegeben. Im Posaunenchor spielt er kommende Woche bei seinem letzten Konzert. Mit den Burgführern gab es bereits die letzte Weiterbildung, und in wenigen Tagen erfolgt seine letzte Burgführung für Gymnasiasten.
Happel hatte sich in seiner Freizeit nicht nur intensiv mit der Historie der GOB-Kaserne befasst und ein Buch darüber verfasst, sondern auch ein kleines Museum aufgebaut. Er ist erleichtert, dass die ABC- und Selbstschutzschule, die in einigen Jahren auf die Burg zieht, diese Sammlung weiter zeigen will. Bis dahin werden die Exponate verpackt und eingelagert. Mit Blick auf Hannover sieht er viele Aufgaben kommen: Da ist die Inspektion zu verlegen, arbeitsfähig zu machen und viel neues Personal einzulernen. Dazwischen hofft der Hauptmann auf etwas Zeit für Motorradtouren – denn die Maschine kommt mit.
Mit freundlicher Genehmigung der Allgäuer Zeitung
Fotos: Höpfl/Weigel
